hallo meine lieben, wo auch immer ihr gerade in der welt verteilt seit!
ich hab gerade mal wieder ein minütchen zeit um euch ein paar neue sachen zu erzählen..
also erstmal kurz, was ich schon die halbe ewigkweit machen wollte, euch erzählen wie so mein wochenplan aussieht.
also grundsätzlich gehe ich morgens um 7 zur arbeit und komme nachmittags um 17 uhr zurück, bin also nach dem kleinen ein-mal-eins 10 stunden an der arbeit, 5 tage die woche. dazu kommt, dass ich nicht im schönen klimatisierten center parc mit den kindern arbeite, sondern bei 40 grad, was dazu führt, dass ich sehr oft auf allen vieren nach hause krieche, aber wir wollen uns ja nicht beschweren, denn ich LIEBE meine arbeit.
also der wochenplan:
montag: arbeite ich mit den 7 bis 8 jährigen zusammen und zwar zu dem thema: kunst und ekönomie. das heißt, wir basteln zum beispiel handpuppen, oder malen, reden aber auch viel über sachen wie recycling und arbeiten dementsprechend oft auch mit müll, z.b. lassen sich ca. 1001 sachen aus coca cola plastikflaschen machen.
dienstag: gebe ich blockflötenunterricht, für 15 kinder von 7 bis 17 jahren. das macht riesigen spaß auch wenn ich öfter mal etwas genervt bin, wenn die kinder einfach mit dieser blockflöte machen, was sie wollen und ich brüllen muss um wenigstens etwas gegen den lärm anzukommen aber im großen und ganzen bin ich sehr stolz auf meine kleine blockflötengruppe, auch wenn ich dienstags einfach immer eine kopfschmerztablette nehme, das gehört irgendwie dazu. die liegt dienstags immer schon bereit und dann ist auch gut.
mittwochs: arbeite ich mit den 11 – 13 jährigen in unserem garten. wir pflanzen im moment karotten, rote beete, und alle möglichen sorten salat. das macht einigen kindern richtig spaß, andere dagegen, vorallem die mädchen finden es garnicht witzig das man sich schmutzig machen soll, obwohl das eigentlich ironie in sich ist, da meine kinder ja eh leider sehr dreckig sind. naja auf jeden fall ist die arbeit sehr kräfte zehrend, denn man arbeitet einfach in der sonne bei 40 grad mit den kindern, die auch schwitzen und sich darüber am laufenden band beklagen. aber trotzdem macht es reisen spaß und jedes mal nach getaner arbeit steht eine dusche mit dem gartenschlauch an.
donnerstag: gebe ich tanzunterricht für 25 kinder von 7-17 jahren, stylrichtung pop. und wie könnte es anders sein habe ich ca. 5 mädchen und 20 jungs und diese jungs sind oft nur in der gruppe, weil sie etwas mit mir machen möchten, ob das nun tanzen oder häkeln ist macht denen recht wenig, was die sache etwas schwierig macht, denn die meiste zeit wollen die jungs nur sehen wie ich tanze, worüber die mädchen natürlich verärgert sind, denn die wollen wirklich was machen. naja das ende vom lied ist, das es mit 25 kindern nicht einfach ist, aber unglaublich viel spaß macht trotz der hitze mit den kids zu tanzen und sie können sich ein bisschen austoben.
freitag: arbeite ich mit den 9- 10 jährigen zusammen zum thema musik. wir reden viel über musik, gucken filme, hören musik, machen musik, singen und andere tolle sachen, was ebenfalls einen riesigen spaß macht…
was man aber glaube ich sehen kann, ist dass ich hier nicht einfach nur rum sitze und braun werde wie einige manchmal fälschlicher weise denken, nein gott sei dank habe ich hier genug zu tun und bin deshalb auch wenig braun
naja jetzt ist das neue jahr schon wieder ein paar monate alt und unsere neuen kinder haben sich gut im projekt eingelebt. es gibt einige neuerungen, genauso wie, dass wir jetzt seit diesem jahr sehr viele neue straßenkinder bekommen haben, was in der vergangenheit nicht der fall war. dann hatten wir mal ein oder 2 straßenkinder im projekt, aber jetzt sind es einige und was soll ich euch sagen, diesen kindern ist die not, das elend und vieles schreckliche ins gesicht geschrieben. diese kinder haben kein zuhause, haben kein fleißend wasser, haben kein bett, keinen rucksack ,keine puppe, keine zahnbürtse, keine mama, keine liebe, keine wärme.
diesen kindern sieht man an das sie mit mehr angst leben als bis jetzt wir alle zusammen erfahren haben, dass sie innerlich verkümmert sind, dass sie kein vertrauen fassen können, dass sie nach hilfe schreien aber niemand sie hört.
einer dieser jungen ist sieben jahre alt und ich arbeite sehr viel mit ihm zusammen. dieser kleine arme junge kann mit sieben jahren immer noch nicht reden, seine eltern haben ihn verkümmern lassen, er hat kaum zähne, sein gesicht ist voll von narben und in seinem gesicht sieht man nie ein lächeln, ich kann machen was ich will er guckt mich verstört an, aber dennoch sucht er immer meine nähe, was ja schonmal gut ist. aber wie soll ich nur mit ihm reden ich kann ja nichts machen irgendwie. letzte woche habe ich mit ihm zusammengesetzt und habe ihn gebeten er sollte aufmalen, was er an seinem leben mag und worüber er glücklich ist. er saß lange vor seinem bild und hat dann einige striche hingemalt und einen kreis. letztendlich nach ca. 20 minuten hatte dieser kleine junge eine krickelige sonne auf sein kleines blatt gemalt. ich mittlerweile kurz vorm weinen habe ihn dann gebeten er solle doch das malen wovor er angst hat und was er nicht mag. also nimmt er seinen stift, diesmal einen schwarzstift und malt das blatt in kreisen, strichen und kreuzen fast komplett schwarz. als er fertig ist guckt er mich an.
hast du vor vielen sachen angst frage ich ihn. er nickt. aber hast du nicht auch sachen worüber du dich freust…. er überlegt … es vergehen minuten und letztendlich zeigt er auf die kleine hässliche sonne die er gemalt hat.
mir bleibt der atem stehen, dieses kleine häufchen elend freut sich in seinem leben nur über die sonne. aber wie soll ich nur mit ihm arbeiten, wenn er doch nicht reden kann, er malt nur und das dauert sehr lange und man kann selten etwas erkennen. es zerbricht einem das herz wenn er einen ansieht und er bringt nicht mehr heraus wenn er am nachmittag unser projekt verlässt als, Au IA , ich habe mir überlegt, dass das wohl CIAU TIA heißen muss also tschüß tante. leider sind das die einzigen sachen die er raus bringt.
aber es bleibt noch zeit ich werde versuchen mein bestes zu geben und ihm ein bisschen zu helfen, falls ich das überhaupt kann.
wenn er nach hause geht, geht er jetzt seit neustem in eine einrichtung, naja im deutschen stellt man sich darunter etwas anderes vor, es ist ein kleines häuschen aus brettern und anderen sachen in dem straßenkinder unter kommen können und da wohnen unsere kleinen schützlinge jetzt.
letzten donnerstag kamen 2 brüder zum projekt gelaufen, sie sind auch straßenkinder. sie sind 8 und 12 jahre alt, ihre turnschuhe offen, sodass beide bald hinfallen als sie mich umarmen. auch diese beiden haben kaum zähne und sehen schrecklich erbärmlich aus. als ich sie bitte ihre schuhe zu binden schauen sie mich verdutzt an. könnt ihr keine schuhe binden, frage ich sie… beide schütteln den kopf. ich schaue sie verdutzt an. also setzte ich mich hin und zeige ihnen wie man sich die schuhe bindet. es dauert einige zeit aber dann klappt es einigermaßen. die beiden sind sehr glücklich und ich habe wieder eine situation hinter mir, die ich nicht glauben kann.
alle unsere straßenkinder sind absolut ausgehungert. wenn ich einen teller zum mittag esse. essen diese kleinen kinder jeden tag zwischen 3 und 5 tellern und ich sage euch, dass ist eine portion, die ein 150 kilo mann nur schwer runter bekommt. diese kinder stopfen alles in sich hineien und betteln nach einer stunde erneut um essen. jedes mal schaue ich mir das spektakel mit offenem mund an, ich kann einfach nicht verstehen wo diese kinder das ganze essen hinstecken, das ist unglaublich.
ihr leben ist traurig und fast vorgezeichnet. sie werden ihr leben lang in einer baracke aus müll und anderem zeug schlafen und wohnen, werden, nie aus ihrer umgebung rauskommen, nie die luft des lebens schnuppern können. mit ihren kleinen winzigen menschenleben können sie jetzt schon kaum noch etwas anfangen und das ist das schlimme an der ganzen geschichte…
nicht selten lässt einen das hier an allem zweifeln aber es ist erst ihr anfangszeit hier im projekt und so gott will und mit viel arbeit können wir diesen kleinen menschen vielleicht ein bisschen helfen, und genau dafür bin ich hier und ich werde alles versuchen was in meiner macht steht.
so jetzt bin ich wieder eingies losgeworden, ich weiß gerad nicht so recht ob es mir jetzt besser geht oder schlechter. aber meine arbeit hier ist auch aufklärungsarbeit und das tue ich, indem ich euch von dem erzähle was ich hier erleben.
okay als abschluss möchte ich ein foto hinzufügen, von meinem kleinen schatz der nicht reden kann und auch sonst sehr wenig beherrscht. er steht auf dem foto ganz außen links, aber man sieht es ihm schon an seinem gesicht an, sind alle anderen kinder glücklich, dass sie ein foto mit ihrer blonden tante machen können, schafft er es nie zu lächeln, aber wie kann man es so einem kind verübeln ich kann mir glaube ich nochnicht mal ausmalen was diese kleinen kinderaugen schon alles gesehen haben.

isabel